Flughafensicherheit im Wandel

Die Luft- und Flughafensicherheit ist enormen Zwängen und nicht unerheblicher öffentlicher Aufmerksamkeit ausgesetzt. Sicherheitskräfte sind für die Überwachung und den Schutz weitläufiger und vielgestaltiger Areale verantwortlich, während Flughafenbetreiber Sicherheits-, Betriebs-, und Wirtschaftlichkeitsanforderungen miteinander in Einklang bringen müssen - nicht zuletzt um Gewinne zu erwirtschaften.

Passagiere vom Check-in bis zu ihren Sitzen im Flugzeug zu schleusen – ohne dabei Engpässe zu erzeugen – und zugleich ein angenehmes, attraktives Fluggasterlebnis zu gewähren, ist ein Drahtseilakt.

In dieser Ausgabe unserer Reihe „The Interview Room“ sprechen wir mit Chris Bishop, Leiter der internationalen Geschäftsentwicklung und Luftfahrtbranchenexperte bei Synectics. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Flughafensicherheit und Überwachungstechnologien an neue Herausforderungen anpassen.

Herr Bishop, was macht Flughäfen im Hinblick auf Sicherheit so besonders?

Die Grundanforderung an Flughäfen ist einfach: Ohne Zwischenfälle das Starten und Landen von Flugzeugen zu ermöglichen, und dabei die Sicherheit von Passagieren und Mitarbeitern zu gewährleisten.

Über diese Basisfunktion hinaus wird es jedoch kompliziert. Sicherheitskräfte und Grenzkontrollorgane handeln im strengen Rahmen gesetzlicher Vorschriften und Regeln. Dazu kommen die Berücksichtigung des Einzelhandels am Flughafen und die Bedürfnisse der effizienten Gepäckabfertigung, der Zollbehörden, sowie einer ganzen Reihe weiterer Akteure, die zum reibungslosen Betrieb beitragen. Daraus ergibt sich ein komplexes System, das den Flughafen zu einer der anspruchsvollsten Sicherheitsumgebungen überhaupt macht.

Eine Störung in einem Teil dieses Systems kann ernste Folgen haben, die sich schnell auf andere Bereiche und schließlich auf den ganzen Flughafen ausbreiten können. Ein eher harmloses Beispiel verdeutlicht die Problematik: Wenn sich am Check-in-Schalter Schlangen bilden, kann das zu Stauungen an den Förderbändern in der Gepäckkontrolle führen, was weitere Verzögerungen für Passagiere zur Folge hat, die dann weniger Zeit haben, in Geschäften und Restaurants Geld auszugeben. Das mag trivial klingen, Profit und Rendite sind aber ganz natürliche Bestandteile moderner Flughafenkonzepte – und die Rechnung muss für alle Beteiligten aufgehen, um diese wichtige Infrastruktur am Laufen zu halten.

Daher setzen immer mehr Flughafenbetreiber integrierte Sicherheitsmanagementsysteme ein, um kritische Abläufe zu überwachen und zu steuern.

Können Sie uns dazu ein Beispiel geben?

Die Sicherung der Außengrenzen des Rollfeldes ist äußerst wichtig. Es ist eines jeden Flughafenbetreibers Alptraum, dass sich jemand unautorisierten Zugang zur Hauptrollbahn verschafft und damit den Ernstfall auslöst.
Die manuelle Überwachung aller entlang eines Begrenzungszauns installierten Videokameras ist nahezu unmöglich. Intelligente Videoanalyse, im Zusammenspiel mit festen und steuerbaren (PTZ) Kameras, schafft hier Abhilfe und ermöglicht es Sicherheitsteams, viele Kilometer Zaun effektiv zu sichern.

Wenn etwa eine feste Kamera einen Alarm auslöst, können PTZ-Kameras mit größerer Reichweite auf den Ort des Geschehens einschwenken und heranzoomen. Sicherheitskräfte können so schnell feststellen, ob es sich tatsächlich um einen Einbruchsfall handelt.

Um ein solches Szenario technisch möglich zu machen, bedarf es einer integrierten Sicherheitsmanagementlösung mit nahtloser Einbindung eines intelligenten Videoanalysesystems, welches das Programmieren verschiedener Alarmtypen für jede Kamera erlaubt und das zudem wenig anfällig für Fehlalarme ist.

Was hat sich bei der Sicherheitstechnologie denn sonst noch getan?

Vorgesetzte und Einsatzkräfte müssen sich darauf verlassen können, dass im Falle eines Vorfalls - oder dessen weiterer Eskalation – mit hundertprozentiger Zuverlässigkeit die richtige Reaktion für den jeweiligen Alarmtyp ausgelöst wird. Um das sicherzustellen, werden heute Alarme direkt automatisierten Abläufen (“Workflows”) zugeordnet, die auf den Notfall- und Maßnahmenplänen des Flughafens basieren.

Wenn etwa ein Brandalarm im Gepäckbereich ausgelöst wird, kann eine integrierte Sicherheitslösung Disponenten in der Leitstelle dazu auffordern, kurz zu prüfen, was da sonst noch gelagert wird. Falls der Vorfall auf Basis dieser zusätzlichen Information als Ernstfall zu behandeln ist, kann ein vorkonfigurierter Workflow aufzeigen, welche weiteren Stellen und Teams zu benachrichtigen oder einzubeziehen sind.

Die Vorteile reichen aber noch weiter. Abläufe können aufgenommen und später für Schulungszwecke oder in der Einsatznachbesprechung durchgesehen werden. So kann das Sicherheitskonzept stetig optimiert werden. Auch die Maßnahmenpläne können mittels des so Gelernten an sich ändernde Anforderungen angepasst werden.

Welche Ansprüche stellt all dies an Systemhäuser und Hersteller von Sicherheitstechnologie?

Flughafeneigner und –betreiber schauen immer genauer auf den kurz-, mittel- und langfristigen wirtschaftlichen Nutzen, den sie aus ihrer Investition in Sicherheitstechnologie ziehen. Das heißt integrierte Sicherheitsmanagementlösungen müssen im Hinblick auf Lebensdauer, Anpassbarkeit und Belastbarkeit ganz neuen Maßstäben entsprechen.

Systementwickler müssen daher ihre Lösungen so auslegen, dass sie über Jahrzehnte hinweg betriebsfähig sind. Sie sollten zudem mit offener Architektur konzipiert sein, um Tausende Peripheriegeräte und Subsysteme überwachen und einbeziehen zu können und um Bestandssysteme zu integrieren. Kein Flughafenbetreiber möchte plötzlich herausfinden müssen, dass das neue Flughafensystem technologisch schon wieder veraltet ist, und nicht mit aktuellen Geräten und Systemen kooperiert.